Hier einige Leseproben aus meinem Erstlingswerk:

 

"Das Licht unter dem Scheffel".




Seite 31

Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Wirtshaus betrat. Wir tranken Apfelsaft und aßen Brote mit Salami, die mein Vater mitgebracht hatte. Ich war scheu und still, er war mir so fremd und außerdem war ich hin-und hergerissen zwischen dem Gefühl, doch auch einen Vater zu haben wie andere Kinder und den Erinnerungen an die herabsetzenden Erzählungen meiner Mutter. Außerdem hatte sie mich ermahnt, acht zu geben, dass ich nur ja nichts falsches sage, was eventuell dazu führen könnte, dass er mich ihr mit Hilfe des Jugendamtes wegnehmen könnte.
So kam keine richtige Unterhaltung in Gang. Schließlich fragte er mich:
"Bekommst du zuhause auch Salami zu essen?"
Wahrheitsgemäß hätte ich antworten müssen: "Nur an besonderen Tagen, weil sie so teuer ist," aber eingedenk der Warnung meiner Mutter sagte ich statt dessen:
"Aber natürlich, Salami essen wir fast jeden Tag."

Seite 149

Unser Pastor war ein kleiner, rundlicher, freundlicher Mann mit einer Halbglatze, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute.
Bei einem unserer Besuche stellte er die Frage, ob es irgendeinen Grund gäbe, der gegen unsere Hochzeit spräche.
"Ja", hätte ich gerne geantwortet, "es gibt einen Grund, ich möchte nämlich diesen Mann gar nicht heiraten, aber ich bin schwanger. Bitte, helfen sie mir!"
Sekundenlang stellte ich mir vor, wie Jochen und der Pastor reagieren würden, aber natürlich traute ich mich nicht, etwas derartiges zu sagen und schüttelte nur den Kopf.

Seite 231

Bei einer dieser Unternehmungen traf ich unvermutet auf Werner, meinen ersten Freund. Zuletzt hatte ich ihn gesehen, als ich noch die Handelsschule besuchte, mit etwa sechzehn Jahren also. Jetzt, mit neunundzwanzig war ich geschieden und Mutter einer elfjährigen Tochter. Wir besuchten eine Tanzveranstaltung zur Faschingszeit im Heimatort meines ehemaligen Freundes, als Hella plötzlich flüsterte:
"Ich sag´ dir jetzt etwas, aber schau nicht hin. Werner ist hier!"
"Wo?"
"Hinter dir, auf der Tanzfläche!"
Ich wartete einige Sekunden, dann verschob ich meinen Stuhl etwas, drehte mich unauffällig um und blickte direkt in ein Paar vergißmeinnichtblaue Augen.